Erinnerungskultur

{:de}“Eine Schlammschlacht der Erinnerung“{:}{:fr}Verdun, une mémoire contestée{:}

{:de}100 Jahre nach der Schlacht um Verdun fand dort am 29. Mai 2016 ein Staatsakt im Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs statt. Die Inszenierung, an der mehrere Tausend Jugendliche teilnahmen, war allerdings nicht unumstritten.

Version française

Louis Bourgon und Theo Müller, Studenten im Deutsch-Französischen Musterstudiengang in Geschichtswissenschaften, nahmen als Animateure an der Veranstaltung teil. Im nachfolgenden Bericht schildern sie Ihre persönlichen Eindrücke zu der Gedenkveranstaltung.

Sie sind angekommen, in Douaumont, einem Geisterdorf einige Kilometer nordwestlich von Verdun. An der Landstraße halten Dutzende Fahrzeuge und speien immer neue Ladungen junger Menschen aus. Tausende sind es, die sich im strömenden Regen auf den Weg zum Versorgungspunkt machen, der zum Glück nicht weit entfernt ist. Dort warten sie lange Zeit, bis endlich wieder das Signal zum Aufbruch ertönt und die Menschenmasse sich auf den Weg zum Ort des Geschehens macht. Kilometerweit marschieren Deutsche und Franzosen über aufgeweichte Böden; Wasser und Schlamm kriechen in die Schuhe. Einige straucheln unterwegs, halten sich aneinander fest, manche stürzen. Ihr gemeinsames Ziel ist eine Zeltstraße am Rande eines Gräberfelds. Planen gewähren nur notdürftigen Schutz vor dem weiter niedergehenden Platzregen. Wieder heißt es: warten – im Frühsommer 2016, bei der Generalprobe der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Schlacht um Verdun.

Soldatenfriedhöfe werden aktiv betrieben

Es ist von einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet derjenige Staatsakt zur buchstäblichen Schlammschlacht wird, in dem Frankreich und Deutschland den Kämpfen um Verdun gedenken. Nasser, eisiger Schlamm ist ein Motiv, das sich in vielen Schlachtbeschreibungen wiederfindet. Schnell fanden die schwierigen Witterungsbedingungen des Jahres 1916 Eingang in den Kriegsmythos Verdun. 100 Jahre ist es her, dass Millionen Deutsche und Franzosen hier im Gelände gegeneinander Krieg führten und Hunderttausende umkamen. Erst 100 Jahre, möchte man sagen, denn die Einschlagskrater der Bomben prägen das Landschaftsbild bis heute. Noch immer gibt es aktiv betriebene Soldatenfriedhöfe in der Region, denn bei Bauarbeiten stößt man schnell auf sterbliche Überreste.

Schlachtfeld in Douaumont bei Verdun, im Mai 2016. BILD: tm
Schlachtfeld in Douaumont bei Verdun, im Mai 2016. BILD: tm

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg hatte in Frankreich von Anfang an einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Dieser Unterschied erklärt sich beinah von selbst. Der hart erkämpfte Sieg und dessen Spuren in vielen französischen Biografien ließen den Grande Guerre rasch zu einer Art republikanischem Gründungsmythos werden. Daran hat sich bis heute wenig geändert, zumal sich die französische Rolle im Zweiten Weltkrieg heute kaum mehr zur Bildung von Heldenmythen eignet. Das ungleiche Interesse an beiden Kriegen setzt sich fort. Gleich sieben französische Ministerien begründeten Anfang 2012 die Mission du Centenaire, die seither alle französischen Gedenkaktivitäten zum Krieg vor 100 Jahren koordiniert – und, wenn man so will, monopolisiert. Ihre Arbeit wird in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt. Selbst die Ein- und Wiederausladung eines Rappers im Umfeld der zentralen Gedenkfeier wurde zum Politikum. Dagegen gab es auf deutscher Seite bei der Bundesregierung lange Zeit nicht einmal einen Ansprechpartner für das Gedenken. Den Stellenwert des Ersten Weltkriegs in der Erinnerungskultur der europäischen Partner hatte man in Berlin unterschätzt.

Besser doch keine 16.000 Jugendlichen

Beim Bustransport kam es zu langen Wartezeiten. BILD: tm

In der Mission du Centenaire überließ man währenddessen nichts dem Zufall. Ihr zentrales Projekt war eine Art deutsch-französisches Feriendorf, das in der zweiten Maihälfte auf einer Freizeitanlage im Stadtgebiet von Verdun aus dem Boden gestampft wurde. Wo sonst Zirkusse gastieren, bezogen rund 2.000 deutsche und französische Schülerinnen und Schüler sechs Tage lang ein Feldbettlager. Von der ursprünglichen Idee, gleich 16.000 Jugendliche anreisen zu lassen, hatte man zum Glück schnell wieder Abstand genommen. Die Organisation kam auch so an die Grenzen des Machbaren. Nachts sank die Temperatur in den Zelten auf Kühlschrankniveau, eilig wurden Heizungen beschafft und das Rote Kreuz lieferte Tausende von Decken.

Tagsüber absolvierten jeweils eine deutsche und eine französische Schulklasse gemeinsam ein Rahmenprogramm, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und anderen Projektpartnern wie dem Centre mondial de la Paix gestaltet wurde. Für die Jugendlichen war dies sicherlich die wichtigste Erfahrung: Sie hatten Gelegenheit, sich auf Englisch, Französisch oder Deutsch und notfalls mit Händen und Füßen zu verständigen. Für viele von ihnen war es die erste Begegnung mit Gleichaltrigen anderer Nationalität.

Von wegen Spontanität

Beinhaus und Gräberfeld bei Douaumont (Archiv). BILD: tm

All dies bildete leider nicht den Kern der Veranstaltung. Die Organisatoren hatten den Schulklassen einen anderen Verwendungszweck zugedacht, dem sich alles andere unterzuordnen hatte: den deutsch-französischen Staatsakt auf dem Friedhof vor dem Beinhaus von Douaumont am 29. Mai. Gemeinsam mit 2.000 weiteren Schülerinnen und Schülern aus der Region sollten sie sich an einer Choreographie beteiligen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel, Präsident François Hollande und diverse andere Ehrengäste verfolgen würden.

Die künstlerische Leitung lag beim deutschen Regisseur Volker Schlöndorff. Hollande persönlich hatte ihn mit dieser Aufgabe betraut. „Schlöndorff, der nichts mehr hasst als ewiges Proben und Null-Spontanität, hat seinen Protagonisten weitgehend freie Hand gelassen – auch den beiden Staatschefs“, beschrieb die Tagesschau dessen Plan. „Inszeniert wird nichts.“ Gemessen daran dürfte die Vorbereitung für Schlöndorff die reinste Tortur gewesen sein. Organisatoren und TV-Producer setzten nicht weniger als drei Generalproben an, um seine Inszenierung ins rechte Fernsehbild zu rücken. Nur eine davon wurde auf lebhaften Protest mitgereister Lehrerinnen und Lehrer hin wieder abgesagt. Wochen im Voraus hatte Schlöndorffs Team Videos an die teilnehmenden Klassen versandt, mit denen die Choreographie eingeübt werden sollte. Es galt über die Gräber hinweg in die Mitte des Friedhofs zu rennen, dort Schaukämpfe auszufechten, sich symbolisch erschießen zu lassen und im Geiste deutsch-französischer Aussöhnung wiederaufzuerstehen:

Über Gräber laufen, um auf einem Friedhof zu „kämpfen“? Längst nicht alle Jugendlichen waren von dieser Aussicht begeistert. Manche empfanden das Ansinnen der Organisatoren als pietätlos. Einige Lehrerinnen und Lehrer griffen daraufhin zu einer Notlüge: Sie erzählten den Jugendlichen, sie würden gar nicht direkt auf die sterblichen Überreste von Soldaten treten. Diese seien ausschließlich in kleinen Kassetten direkt neben den Kreuzen auf dem Gräberfeld beerdigt. Es ist nicht schwer, Bilder von Beerdigungen auf diesem Friedhof zu finden, die das Gegenteil beweisen.

Letztlich überwanden fast alle Jugendlichen ihre anfänglichen Bedenken und hüpften ebenso unbekümmert wie die anwesenden Mitarbeiter der TV-Produktion über die Soldatengräber. Diesen Konventionsbruch mag man, gerade mit Blick auf die Friedhofskultur anderer Länder, noch rechtfertigen können. Ihre klassische Funktion als Erinnerungsort hatte die Nekropole zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst eingebüßt.

Junge Menschen als Objekte

Warten im Schlamm. BILD: tm

Viel schwerer wiegt ein anderer Vorwurf. Derjenige nämlich, dass Jugendliche in dieser Inszenierung nur mehr als Verfügungsmasse dienten. Eine Auseinandersetzung mit der speziellen Form des Gedenkens fand nicht statt. Es war keine gute Idee, Tausende pubertierende Jugendliche einem Gruppenzwang auszusetzen, der sie ihres freien Willens und individuellen Formen des Gedenkens beraubte und damit zu Stückgut innerhalb eines großen Ganzen werden ließ.

Ganz gleich, ob es darum geht, schöne Bilder fürs Fernsehen zu erzeugen oder man tatsächlich menschliches Leid betrauern möchte: Die Nutzung denkender und fühlender Menschen als farbenfrohes Beiwerk verbietet sich bei diesem Anlass von selbst, sollte man meinen. Die politische Rechte und der rechtsextreme Front national wussten diese Ausgangslage für sich zu nutzen und begannen a posteriori ihre ganz eigene Schlammschlacht: Sehet her, die vaterlandsvergessenen Sozialisten lassen Kinder die Gräber unserer Vorfahren schänden. Die Instrumentalisierung der Jugendlichen setze sich damit im Grunde fort. Dabei gab es durchaus einige wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich dem Spektakel bis zuletzt verweigerten. Sie brachten allerdings weniger politische als ganz persönliche Beweggründe vor; etwa die Erinnerung an kürzlich verstorbene Angehörige.

Zu dem Eindruck, dass die anwesenden Jugendlichen den Organisatoren im Grunde gleichgültig waren, trugen auch die schwierigen Bedingungen am Veranstaltungsort bei. Man hätte vorher wissen können, dass es die Stimmung nicht heben würde, junge Menschen ohne Beschäftigung zwei Tage lang viele Stunden im Regen auf durchweichten Böden herumstehen zu lassen.

Die Schülerinnen und Schüler hatten wenig mehr zu tun als an ihren Trinkpäckchen zu nuckeln, sich in lange Schlangen vor einer Chemietoilette einzureihen und auf die Befehle des für ihre Grabreihe zuständigen TV-Producers zu warten. Wagte man es, diese Bedingungen in Frage zu stellen, so wurde gern entgegnet, dies sei doch „wirklich nichts“ im Vergleich zu dem, was Soldaten hier vor 100 Jahren widerfahren sei.

Kann man es sich so einfach machen? Dürfen sich die Jugendlichen des Jahres 2016 nicht darüber beschweren, dass sie in Diensten staatlicher verordneter Erinnerungskultur stundenlang in Schlamm und Regen ausharren sollen, weil man vor 100 Jahren auch halbe Kinder an die Front geschickt hat? Immerhin, ein wacher Geist hatte vorgesorgt und 4.000 Plastik-Regenponchos eingelagert. Diese halfen allerdings nicht gegen die Kälte und mussten noch dazu in letzter Minute ausgezogen werden, um die Fernsehzuschauer nicht zu irritieren. Der Regie war aufgefallen, dass in hellem Sonnenschein vorproduzierte Bilder durch den Wald rennender Kinder nicht ganz dazu passten.

Letzte Generalprobe am Morgen des 29. Mai in Douaumont. BILD: tm
Letzte Generalprobe am Morgen des 29. Mai in Douaumont. BILD: tm

Den geladenen Gästen auf ihren handgetrockneten Plätzen auf der Ehrentribüne blieb der respektlose Umgang, den die Organisatoren mit ihren Darstellern pflegten, ohnehin verborgen. Im nassen Gras kauernd verfolgten die Jugendlichen die Reden von Merkel und Hollande. Das hätten sie jedenfalls gern getan, denn von den freundlichen Worten, die die beiden Staatsoberhäupter an die Jugendlichen richteten, bekam ein Großteil leider gar nichts mit. Aus unerfindlichen Gründen hatte man die Lautsprecher genau dort abgestellt, wo sich die Schülerinnen und Schüler zu diesem Zeitpunkt befanden.

Ein TV-Producer durchquert eine Grabreihe. BILD: lb

Was lernt man aus #Verdun2016? Es ist keine gute Idee, Jugendlichen historisches Bewusstsein abzusprechen und sie mittels präziser Regieanweisungen („Ihr geht dann langsam zu den Seiten weg und schaut auf die Kreuze“) der Autonomie über ihre persönliche Erfahrungswelt zu berauben. Gerade junge Menschen haben ein erstaunlich fein entwickeltes Gespür dafür, ob fair mit ihnen umgegangen wird. Glücklicherweise haben sie heutzutage die Freiheit, ihre Rolle in derlei Massenspektakeln genau zu hinterfragen, wovon nicht wenige im Gespräch mit Lehrern und Mitarbeitern auch Gebrauch machten.

Zum Ende des Staatsaktes filmte die Fernsehregie dann noch dankbar ab, dass sich immer mehr französische und deutsche Jugendliche auf dem Friedhof spontan an den Händen fassten und als Menschenkette vor den Grabreihen verharrten. Das war nicht geplant. Es bedurfte dazu keiner Anweisung eines Producers; die Jugendlichen selbst waren es, die sich zu dieser Geste entschlossen. In diesem kurzen, aber unendlich wertvollen Moment blitzte hinter der kunstvoll arrangierten Gedenkfassade tatsächlich so etwas wie menschliche Rührung auf.

Die Autoren waren als Animateure eines Projektpartners der Veranstaltung vor Ort. In diesem Text äußern sie sich privat. Erstveröffentlichung am 12. Juni 2016 unter theosblog.de/2016/06/12/eine-schlammschlacht-der-erinnerung.{:}{:fr}100 ans après la bataille de Verdun, une cérémonie officielle en souvenir aux victimes de la première guerre mondiale s’est tenu à Verdun le 29 mai 2016. La mise en scène, à laquelle ont participé plusieurs milliers de jeunes, n’est pas restée incontestée.

Deutsche Fassung

Louis Bourgon et Theo Müller, étudiants du master franco-allemand en sciences humaines, ont pris part à cette manifestation en tant qu’animateurs. Dans le compte-rendu suivant, ils expriment leurs impressions personnelles sur la cérémonie commémorative.

Ils sont arrivés à Douaumont, village fantôme à quelques kilomètres au Nord-ouest de Verdun. Sur la route de campagne se trouvent des dizaines de véhicules répandant sans répit de nouvelles vagues de jeunes gens. Ils sont quelques milliers à se mettre en route, sous une pluie battante, vers le lieu de prise en charge, qui, heureusement, n’est pas si loin. Là, ils attendent un long moment, jusqu’à ce que ne résonne enfin de nouveau le signal du départ et que la masse humaine ne se mette en marche vers le lieu des événements. Sur plusieurs kilomètres, Allemands et Français marchent sur un sol détrempé ; l’eau et la boue s’infiltrent dans leurs chaussures. Certains trébuchent, se retiennent entre eux, certains tombent. Leur but à tous : une colonne de tentes installées sur les bords de la Nécropole nationale. N’a été prévue qu’une protection provisoire contre l’averse qui continue de s’abattre sur eux. Une fois encore, il s’agit d’attendre ; attendre au cours de cette répétition générale du début de l’été 2016, la commémoration du centième anniversaire de la bataille de Verdun.

Les cimetières accueillent, aujourd’hui encore, des soldats

C’est avec une certaine ironie que cette cérémonie officielle devient littéralement une champ de boue, dans lequel l’Allemagne et la France commémorent les combats de Verdun. La boue trempée et glaciale est un motif que l’on retrouve  dans bien des descriptions de la bataille.  Très vite, des conditions météorologiques difficiles de l’année 1916 se crée un mythe de guerre pour Verdun. C’est ici qu’il y a 100 ans, des millions d’Allemands et de Français conduisirent une guerre les uns contre les autres, et y moururent par centaines de milliers. Cent ans plus tard, les fameuses „marmites“ laissées par les impacts des bombes marquent encore le paysage actuellement. Aujourd’hui encore, les cimetières accueillent les dépouilles de soldats de la bataille que rencontrent des ouvriers agricoles ou des promeneurs.

Le champ de bataille de Douaumont, près de Verdun, mai 2016. IMAGE: tm

En France, le souvenir de la Première Guerre mondiale a depuis le début une toute autre importance qu’en Allemagne. Cette différence s’explique presque d’elle-même. La dure victoire et ses traces dans nombre de biographies françaises laissent vite la Grande Guerre devenir une sorte de mythe fondateur républicain. Cela n’a que très peu changé aujourd’hui – à en entendre le parti des Républicains justement, qui demande le plus grand respect à ceux „qui sont morts pour la France“ (Nadine Morano) – d’autant que le rôle de la France dans la Seconde Guerre mondiale n’est pas aujourd’hui adapté à la construction d’un mythe héroïque. L’intérêt inégal à ces deux guerres se poursuit. De la même façon, ce sont sept ministres français qui fondent à l’origine la  Mission du Centenaire, qui coordonne – et, si l’on veut, monopolise – les activités de commémoration française pour cette guerre centenaire. Son travail est suivi de près par l’opinion publique. L’invitation et la décommande elles-mêmes d’un rappeur dans l’environnement de cette commémoration  est devenue un événement politique et médiatique. Du côté allemand, il n’y eut depuis longtemps, de la part du Bundesregierung aucun interlocuteur pour la commémoration.  L’importance de la Première Guerre mondiale dans la culture de souvenir des partenaires européens a été sous-estimée à Berlin.

Tout de même plus adapté que 16 000 jeunes…

De longs temps d'attentes étaient à prévoir lors des transports en bus. IMAGE: tm
De longs temps d’attentes étaient à prévoir lors des transports en bus. IMAGE: tm

Pendant ce temps, à la Mission du Centenaire, rien n’est laissé au hasard. Leur projet central était une sorte de village de vacances franco-allemand, sur un espace à l’origine dédié aux fêtes foraines, dans un quartier de la ville de Verdun. Là viennent emménager  environ 2 000 élèves allemands et français pour six jours, sur des lits de camp. D’après l’idée d’origine, ce sont 16 000 jeunes qui devaient venir en voyage ici, ce à quoi l’on a, bien heureusement, renoncé. L’organisation en est arrivée à la limite du réalisable. La nuit, la température dans les tentes atteint un niveau très bas, ce qui amènera à se procurer dans l’urgence des appareils de chauffage et milliers de couvertures par la Croix Rouge.

Pendant la journée, deux classes associées, allemande et française, effectuent ensemble un programme encadré, que l’Office franco-allemand pour la Jeunesse et d’autres partenaires du projet, comme le Centre mondial de la Paix, ont organisé. Pour les jeunes, ce fut sans le moindre doute une expérience importante : ils ont eu la possibilité d’échanger et de se comprendre en anglais, en allemand, en français, ou par n’importe quel autre moyen. Pour beaucoup d’entre eux, ce fut la première rencontre avec des jeunes du même âge de l’autre nationalité.

Tout, sauf de la spontanéité

L'Ossuaire et la Nécropole Nationale de Douaumont (archive). IMAGE: tm
L’Ossuaire et la Nécropole Nationale de Douaumont (archive). IMAGE: tm

Malheureusement, là n’est pas le cœur de la manifestation. Les organisateurs ont imaginé tout autre chose pour les classes, ce à quoi ils se sont soumis : la fameuse cérémonie officielle franco-allemande sur la Nécropole Nationale devant l’Ossuaire de Douaumont, le 29 mai. Avec les 2 000 autres élèves venus de toute la région, ils vont devoir participer à la chorégraphie à laquelle la chancelière Angela Merkel et le président François Hollande, ainsi que divers autres invités d’honneur, assisteront.

La direction artistique revient au réalisateur allemand Volker Schlöndorff : François Hollande lui a confié cette tâche personnellement. „Schlöndorff, qui ne déteste rien plus que les répétitions interminables et l’absence de spontanéité, a laissé carte blanche à ses protagonistes – ainsi qu’aux deux chefs-d’État“, décrit le  Tagesschau. „Rien ne sera mis en scène.“ A entendre cela, la préparation aurait tourné, pour Schlöndorff à la plus pure torture. Les organisateurs et producteurs de télévision ne prévoient cependant pas moins de trois répétitions générales, afin de faire de la mise en scène de bonnes images télévisuelles. Seule l’une d’entre elle sera annulée, sous les vives protestations des professeurs participants. Des semaines avant, l’équipe vidéo de Schlöndorff avait envoyé aux classes participantes la chorégraphie à répéter.  Cela consistait à faire courir les élèves jusqu’au milieu de la nécropole, et là, d’y livrer une bataille factice, de se laisser fusiller symboliquement par une sorte d’épouvantail sur échasses, puis de ressusciter – une fois encore – la réconciliation franco-allemande :

Courir sur des tombes pour se „battre“ sur un cimetière ? Depuis un moment déjà, nombre de jeunes n’étaient pas enthousiastes à cette perspective. Certains ressentirent même cette exigence des organisateurs comme irrespectueuse. A la suite de cela, certains professeurs usèrent d’un pieux mensonge : ils ont expliqués aux élèves qu’ils ne marcheraient pas directement sur les dépouilles des soldats. Ceux-ci, selon eux, se trouvent dans de petites caisses enterrées directement sous les rosiers ornant les croix de la nécropole. Il n’est pas difficile de trouver des images d’enterrement à la nécropole témoignant du contraire. Finalement, les jeunes ont outrepassé leurs premières réserves et sont allés courir sur les tombes avec les collaborateurs de la production de télévision.  On ne saurait justifier cette rupture des conventions, à la lumière de la culture du deuil et de la perception du cimetière dans d’autres pays. A ce moment du séjour, la nécropole avait perdu depuis bien longtemps sa fonction classique de lieu de souvenir et de mémoire.

Des jeunes réduits à l’état de pions

Attendre dans la boue. IMAGE: tm

Un autre reproche s’avère être encore plus lourd. A savoir le fait que les jeunes, dans cette mise en scène, n’ont en réalité été autre chose qu’une masse tenue à disposition des exigences du projet. On ne saurait l’expliquer par la seule forme particulière de la commémoration. Ce n’était pas une bonne idée de lâcher là des milliers de jeunes, sous la pression d’un groupe, et de les priver de leur libre volonté et des conceptions individuelles de la commémoration qu’ils ont chacun ; de les laisser devenir un colis parmi un ensemble immense, sans considération de leur individualité.

Qu’importe que l’on veuille produire de belles images pour la télévision ou que l’on veuille partager la souffrance humaine : l’utilisation de personnes pensantes et sensibles comme matière aux couleurs réjouissantes n’est pas acceptable. La droite et le Front National ont su se servir de cette situation initiale et ont commencé a posteriori leur propre foire d’empoigne: voyant ici les socialistes, oublieux de la patrie, laisser des enfants profaner les tombes de nos ancêtres. Au fond, l’instrumentalisation de ces jeunes se poursuit. A vrai dire, très peu de participants se refusèrent finalement au spectacle. Ils avancèrent plus de mobiles personnels que de mobiles politiques, telle la disparition récente de proches.

L’impression que les jeunes présents étaient, au fond, indifférents aux organisateurs a contribué aux conditions difficiles sur les lieux de la représentation. On aurait pu se douter que cela n’améliorerait pas l’ambiance, que de laisser de jeunes gens sans occupation, pendant deux jours et de longues heures sous la pluie, trépigner sur un sol détrempé.

Les élèves n’avaient rien d’autre à faire que de siroter leurs briques de jus de fruit, que d’attendre en rangs devant les toilettes chimiques, et d’écouter les ordres des producteurs de télévisions qui les rangeaient devant les rangées de tombes. Certains se sont risqués à remettre en question ces conditions et à rétorquer que ce n’était „vraiment rien“, en comparaison avec ce que les soldats ont enduré il y a 100 ans.

Mais la question est-elle seulement pertinente ? Parce que l’on a envoyé des milliers de jeunes au front il y a 100 ans, d’autres milliers de jeunes devraient, 100 ans après, ne pas remettre en cause l’idée qu’on les fait attendre 4 à 5 heures sous une pluie glacée, assis dans la boue, avec pour seule protection un K-way plastique parfaitement inutile contre le froid, et avec pour seule ambiance musicale les enceintes diffusant les répétitions de la parade militaire ou les beuglements – pardon, il n’y a pas d’autre mot – de l’équipe de production télévisuelle dépêchée sur le site pour l’occasion et leur demandant avec moult politesse de bien vouloir se taire et rester en ligne pour se tenir prêts à courir sur des tombes, après leur avoir aimablement demander de retirer, au dernier moment, les K-way qu’on leur avait ordonné, une heure avant, de bien garder sur le dos. La régie, elle, n’a visiblement pas remarqué que les images produites par avance d’élèves courant dans les bois sous un beau soleil clair, ne passaient pas tout à fait avec la réalité du terrain.

Letzte Generalprobe am Morgen des 29. Mai in Douaumont. BILD: tm

Évidemment, les invités, assis sur leurs petites places séchées avec soin après l’averse, ne virent pas, depuis leur tribune d’honneur, la manière dont les organisateurs ont traité avec finalement bien peu d’égards les représentants d’une nouvelles génération du souvenir. Accroupis et assis dans une herbe détrempée, les jeunes semblent, sur les images de la télévision, suivre les discours de Merkel et Hollande. Ils auraient sans doute apprécié les mots que les deux chefs-d’État leur ont adressé, si seulement une partie ne leur était parvenue. Mais pour des raisons que l’on ne connaitra sans doute jamais, ce ne fut pas le cas, puisque les haut-parleurs précisément à destination  des élèves, furent éteints à ce moment là.

Un producteur de télévision traverse un rang de tombes. IMAGE: lb

Qu’apprend-on de #Verdun2016 ? Que ce n’est pas une bonne idée de nier la conscience historique de jeunes, et de les dépouiller de leur expérience personnelle des lieux et de la commémoration, par le moyen des directives précises de la régie. Bien des jeunes ont eu l’étonnante et fine intuition, qu’on ne les traitait pas de manière très correcte. Heureusement, ils ont maintenant la liberté de remettre en question ce genre de représentation de masse, dans lesquelles le recours à des discussions entre les professeurs et les collaborateurs n’est jamais de trop.

A la fin de la cérémonie officielle, la régie filme, avec reconnaissance, les jeunes allemands et français qui se donnent peu à peu et spontanément la main sur le cimetière. Il s’arrêtent au milieu des rangées de tombes pour former une chaîne humaine. Ce n’était pas prévu. Il n’y avait pas là besoin de directives de la production ; les jeunes se sont décidés seul pour ce geste. Dans ce court et précieux moment, semblant s’éterniser, jaillit de derrière tout l’artefact du souvenir des émotions bien plus humaines.

Les auteurs étaient animateurs lors d’un projet partenaire à la manifestation. Ils s’expriment dans ce texte de manière personnelle. D’abord publié le 12 juin 2016 sur theosblog.de/2016/06/12/eine-schlammschlacht-der-erinnerung.{:}